Eros, der Gott des Begehrens, wird beschrieben als ein unansehnlicher, dafür aber raffinierter Gott. Eros, so könnte man sagen, ist das Begehren auf seinem Umweg.

Meine Diagnose der Gegenwart ist, dass das Erotische deshalb zu verschwinden droht, weil wir keine Kultur des Umwegs mehr sind. Wir sind eine Kultur der Unmittelbarkeit, eine konsumierende Kultur. Deshalb kennen wir das Phänomen der Distanz nicht.

In der Sexualität mag es ein Reiz sein, die Unmittelbarkeit des Begehrens und der Befriedigung des Begehrens zu exekutieren, aber nicht in der Erotik. In der Erotik ist es das Spiel der Umwege, das Spiel der Distanzen, ist es die Spannung zwischen zwei Polen. Die Kunst des Erotischen besteht darin, diese Spannung kunstvoll auszubauen und aufrecht zu erhalten.

Konrad Paul Liessmann

                

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